Aber Ich Will Doch … Wie Du Ziele Im Studium Erreichst

Kennst du das? Du nimmst dir fest vor, regelmäßig für dein Studium zu lernen um gute Leistungen zu bringen. Doch anstatt konzentriert am Schreibtisch zu sitzen, findest du dich prokrastinierend mit einer Kaffeetasse auf der Couch wieder. Oder du nimmst dir vor, selbstbewusst in Studienprüfungen und Vorträge zu gehen, doch je näher der Termin rückt, desto nervöser wirst du. Du kannst dein altes Muster einfach nicht ablegen.

Aber wie schaffst du es, aus einem bloßen Wunsch tatsächliche Taten folgen zu lassen? Genau das erklärt der sogenannte Rubikon-Prozess. Dieses psychologische Konzept zeigt dir, warum du manchmal das, was du dir so sehr wünschst, nicht erreichst und gibt dir Hinweise, wie du deine Studienziele in die Tat umsetzen kannst.

Besonders im Studium stehst du vor vielen Herausforderungen, sei es der umfangreiche Lernstoff, das Zeitmanagement, die Balance zwischen Freizeit und Uni… Der Rubikon-Prozess bietet hier wertvolle Unterstützung. Er zeigt dir, wie du deine Ziele klar definierst, deine Motivation steigerst und den Übergang von der Absicht zur tatsächlichen Handlung schaffst.
Werfen wir einen genaueren Blick darauf.

Überblick

Der Rubikon-Prozess: Dein Wegweiser zu klaren Studienzielen

Der Rubikon-Prozess beantwortet DIE Frage der Motivationspsychologie: Wie wählen wir Ziele aus und wie verwirklichen wir sie?
Ein Wunsch muss demnach fünf Schritte durchlaufen, um sich in eine automatisierte Handlung zu verwandeln.1 

Der Rubikon-Prozess Kathi Moldan Studentencoaching Ziele

Der Name „Rubikon“ geht auf die Geschichte zurück, dass Julius Caesar 49 v.Chr. den Entschluss fasste mit seinen Soldaten den Fluss „Rubikon“ zu überqueren und damit die Entscheidung traf, das Land auf der anderen Seite erobern zu wollen. Für ihn war das eine bedeutende und endgültige Entscheidung.
Genauso ist es mit deinen Entscheidungen und Handlungen, wenn du dich einmal wirklich für ein Ziel entschieden hast.2 Wenn du deinen inneren Rubikon überquert hast, gibt es kein Zurück mehr, dann willst du dein Ziel erreichen.

Wenn du deinen inneren Rubikon überquert hast, gibt es kein Zurück mehr, dann willst du dein Ziel erreichen.

Aber wie gelingt es den inneren Rubikon zu überqueren? Und wie kann ich danach sicherstellen, zielführend zu handeln und nicht in alte Muster zurückzufallen – trotz Willen?
Dazu betrachten wir nun die einzelnen Phasen des Rubikon-Prozess im Detail.

Die 5 Phasen des Rubikon-Prozesses (für erfolgreiche Studienziele):

1. Bedürfnisse

Manchmal haben wir Wünsche oder Bedürfnisse, die unsere Handlungen und Gefühle beeinflussen, von denen wir gar nicht richtig wissen, dass sie da sind. Sie sind wie leise Hintergrundmusik in einem Café – manchmal bemerken wir sie gar nicht, aber sie beeinflussen trotzdem unsere Stimmung.

Diese tief sitzenden Bedürfnisse haben ihren Ursprung im limbischen System, dem emotionalen Zentrum unseres Gehirns, und sind eng mit unseren Erfahrungen und Emotionen verknüpft.1 

Warum sind diese Bedürfnisse für das Erreichen von Zielen im Studium wichtig?

Stell dir vor, du möchtest effizienter lernen, dich auf das Wesentliche konzentrieren und den Perfektionismus loslassen. Selbst wenn du dieses Ziel fest im Blick hast, kann ein unbewusstes Bedürfnis nach Kontrolle oder Anerkennung dagegen arbeiten. Das macht es schwer, Lerninhalte zu priorisieren oder loszulassen.

Aus der Perspektive der Motivationspsychologie basiert jedes bewusste Ziel auf einem unbewussten Bedürfnis.3 Damit du ein Ziel erfolgreich verfolgen kannst, sollte es im Einklang mit deinen tiefsten Bedürfnissen stehen.

Jedes bewusste Ziel basiert auf einem unbewussten Bedürfnis

Techniken wie Hypnose, Visualisierungen oder Assoziationen können helfen, diese Bedürfnisse zu erkennen und in deine Zielsetzung zu integrieren.

2. Die Motivationsphase

Im Gegensatz zum Bedürfnis ist das Motiv bewusst und du überlegst wie du es umsetzen könntest. Nehmen wir an, dein Wunsch ist regelmäßig zu lernen. Zu Beginn dieser Phase sagst du dir „Ich sollte wirklich öfter lernen“ oder „Es wäre besser, wenn ich jeden Tag eine Stunde lernen könnte“. Doch bevor dieser Wunsch zu einem festen Vorsatz wird, musst du dich entscheiden: Will ich das wirklich? Und wie gehe ich es an? Du denkst über die Vor- und Nachteile nach und überlegst, ob du bereit bist, die nötige Anstrengung zu investieren.

Die Länge dieser Überlegungsphase kann variieren. Manchmal entscheidest du dich schnell, manchmal zögerst du oder gibst den Wunsch sogar auf. Der Schlüssel ist, dass dein bewusster Wunsch (das Motiv) und deine inneren, oft unbewussten Bedürfnisse übereinstimmen müssen. Nur wenn beides Hand in Hand geht, entsteht echte Motivation.

Der Schlüssel ist, dass dein bewusster Wunsch (das Motiv) und deine inneren, oft unbewussten Bedürfnisse übereinstimmen

Warum ist die Motivationsphase für das Erreichen von Zielen im Studium wichtig?

Bleiben wir bei unserem Lernbeispiel. Wenn du wirklich regelmäßig lernen möchtest, musst du bereit sein, Opfer zu bringen. Das könnte bedeuten, dass du nach der Vorlesung nicht direkt mit Freunden abhängst, sondern dir erstmal 30 Minuten Zeit nimmst, um das Gelernte zu wiederholen. Wenn du nicht von Anfang an bereit bist, diesen Preis zu zahlen, wird aus deinem anfänglichen Wunsch wohl kein echter Vorsatz. Du erreichst nicht die nächste Phase. Was scheint wie mangelnde Disziplin, könnte an einem mangelnden Abwägungs- und Wahlprozess liegen.

Wenn die Entscheidung starke positive Emotionen auslöst, fällt es dir leichter, den Rubikon zu überqueren und deinem Ziel näherzukommen. Aber wenn negative Gefühle oder innere Konflikte auftauchen, könnte es schwieriger werden. In solchen Fällen könnte es besser sein, das Ziel zu überdenken oder an den inneren Zweifeln zu arbeiten.

Hier sind u.a. Selbstreflexion, das Abgleichen von Bedürfnissen, eine klare Planung und Überprüfungen der Umsetzbarkeit hilfreich. Auch das Auflösen negativer Glaubenssätze kann notwendig sein. 

Rubikon-Überwuerung im Rubikonprozess Studium Ziele Kathi Moldan

3. Die Intentionsphase

Du hast dich entschieden und den symbolischen „Rubikon“ überquert! Das bedeutet, du bist fest entschlossen, dein Ziel zu erreichen. Ein „Ich will das schaffen!“-Gefühl setzt ein.

Warum ist die Intentionsphase so wichtig für das Erreichen deines Ziels?

In dieser Phase passiert etwas auf neuronaler Ebene in deinem Gehirn! Du verarbeitest Informationen tatsächlich anders als zuvor. Es ist, als hättest du nun Filter in deinem Gehirn aktiviert, die die Zielerreichung forcieren. Du beginnst, dich auf Dinge zu konzentrieren, die dir helfen, dein Ziel zu erreichen, und blendest automatisch Ablenkungen aus. Du fokussierst dich auf Möglichkeiten, die dich deinem Ziel näherbringen, und schätzt diese Chancen optimistisch ein. Du bleibst deinem Ziel treu und lässt dich nicht von anderen Dingen ablenken.4  Das Überqueren des Rubikons stärkt also deine Entschlossenheit und Motivation.
Egal welche ablenkenden Faktoren da sind, du wirst den Willen haben, kontinuierlich zu lernen und für Gelegenheiten dafür zu sorgen.

Egal welche ablenkenden Faktoren da sind, du wirst den Willen haben, kontinuierlich zu lernen und für Gelegenheiten dafür zu sorgen.

Kurz gesagt: Nachdem du den Rubikon überquert hast, bist du in einer anderen mentalen Verfassung. Anstatt über verschiedene Möglichkeiten nachzudenken, bist du fest entschlossen, klare Schritte zu unternehmen, um dein Ziel zu erreichen.

4. Die Präaktionale Phase

Jetzt geht es darum, die Zielrealisierung zu planen. Du bereitest dich nicht nur darauf vor, wie du dein Ziel erreichen kannst, sondern auch darauf, wie du mit unerwarteten Hindernissen umgehst. Es ist normal, dass wir im Alltag Stress und Druck erleben. Deshalb ist es wichtig, in dieser Phase sicherzustellen, dass du dein neues Ziel auch in stressigen Situationen beibehältst und umsetzt. Hier wird dein Ziel sozusagen „alltagstauglich“ gemacht. Für mich zeigt diese Phase wie realitätsnah der Rubikon-Prozess ist.

Diese Phase zeigt, wie realitätsnah der Rubikon-Prozess ist

Warum ist die präaktionale Phase so wichtig für das Erreichen deines Ziels?

Während des Studiums oder generell im Leben tauchen oft unvorhergesehene Herausforderungen auf: sei es eine unerwartete Aufgabe, eine Fehleinschätzung der benötigten Zeit oder persönliche Rückschläge. Solche Situationen können leicht entmutigen und dich von deinem Ziel abbringen. Doch wenn du von Anfang an solche Szenarien berücksichtigst und Strategien entwickelst, um mit ihnen umzugehen, bleibst du eher auf Kurs.

Wenn du diese Phase in deinen Ziel-Erreichungs-Prozess bewusst einbaust, lernst du, wie du mit Rückschlägen umgehst, deine Emotionen steuerst und trotz allem zielgerichtet handelst. Es geht darum, für die Unwägbarkeiten des Lebens gewappnet zu sein und dennoch deinem Ziel treu zu bleiben.

5. Die Handlungsphase

Jetzt wird endlich gehandelt! Das Geplante wird in die Tat umgesetzt. Wenn du dir vorgenommen hast, mehr zu lernen, ist jetzt der Moment, die Bücher aufzuschlagen und loszulegen.
Wenn du alle vorherigen Schritte sorgfältig durchlaufen hast, wirst du in der Regel auch handeln und deinem Ziel näherkommen. Aber, wie schon erwähnt, im echten Leben gibt es häufig Stolpersteine. Das Wichtige ist, nicht aufzugeben.

Warum ist die Handlungsphase so wichtig für das Erreichen deines Ziels?

Ohne Handeln geht es nicht – logisch. Folgende 2 Punkte sind aber wichtig in dieser Phase zu berücksichtigen:

1. Kontrolle über stressige Situationen

In dieser Phase lernst du, mit Situationen umzugehen, die dir bisher Stress bereitet haben, wie die bevorstehende Prüfungsphase. Der entscheidende Unterschied jetzt ist, dass du solche Ereignisse im Voraus planen und dich darauf vorbereiten kannst. Und das nicht nur irgendwie, sondern genau abgestimmt auf deine Bedürfnisse, Motive, Gewohnheiten und Ziele. Das macht viele dieser stressigen Situationen für dich kontrollierbar. Ein zentrales Merkmal der Handlungsphase ist also, dass du lernst, solche unangenehmen Situationen besser zu steuern.

Stressige Situationen werden für dich kontrollierbar.

2. Aufbau und Festigung neuer Verhaltensweisen

Wenn du ein neues Verhalten etablieren möchtest, musst du es trainieren, genau wie beim Schwimmenlernen. In deinem Gehirn bilden sich dabei neue Nervenverknüpfungen, die sich mit der Zeit festigen, bevor dieses neue Verhalten zu einer festen Gewohnheit wird.
Nehmen wir wieder das Beispiel aus dem Studium: Wenn du dich in Prüfungssituationen sicherer fühlen möchtest, wird das nicht von heute auf morgen passieren.  Aber über das Semester hinweg kannst du kontinuierlich daran arbeiten und ein stabiles Nervennetzwerk für diese Sicherheit aufbauen. Natürlich gibt es Momente, in denen du in alte Gewohnheiten zurückfällst, dich unsicher fühlst. Doch mit der Zeit wirst du immer sicherer in deinem neuen Verhalten. Je öfter du dich bewusst für das neue Verhalten entscheidest, desto seltener werden diese „Rückfälle“.

Und das Schöne daran ist: Jedes Mal, wenn es passiert, kannst du daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Mit der Zeit baust du so ein solides Fundament auf, das dir hilft, das Beste aus jeder Situation herauszuholen.

Zusätzlich ist es wichtig, gezielte Techniken zu nutzen, um das neue Verhalten zu festigen. Das kann durch bewusstes Wiederholen geschehen, aber auch durch andere Methoden, die auf neurologischen Prozessen basieren. Es geht darum, das neue Verhalten so tief in dir zu verankern, dass es zur Selbstverständlichkeit wird. Und das, betone ich gerne nochmal, ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu deinem Ziel.

Der Abschluss des Rubikon-Prozess

Ich empfehle dir, am Ende – oder nach einem definierten Zeitraum eine Reflexion anzuschließen. 

  • Welche Techniken haben sich als effektiv erwiesen?
  • Wie hast du dich während des Prozesses gefühlt
  • Welche Anpassungen könnten für zukünftige Herausforderungen nützlich sein? 

Versuche, den gesamten Prozess aus der Vogelperspektive zu betrachten und aus deinen Erfahrungen zu lernen. Durch das bewusste Durchlaufen des Rubikon-Prozesses wirst du Fähigkeiten entwickeln, die nicht nur während des Studiums, sondern ein Leben lang von unschätzbarem Wert sein werden.

Wie kannst du nun in die Umsetzung kommen?

Möglicherweise hast du diesen Artikel gelesen, weil du einen bestimmten Wunsch oder eine Herausforderung im Studium hast. Überlege, in welcher Phase des Prozesses du steckst. Bist du dir deiner Bedürfnisse bewusst?

Mit dem Rubikon-Prozess hast du nun eine Leitlinie, die dir hilft, dich besser zu orientieren. Ich hoffe, dass dich dieser dabei unterstützt, deine Ziele klarer und fokussierter zu verfolgen.

 

Falls du das Gefühl hast, dass du Unterstützung benötigst oder den Prozess zusammen mit zusätzlichen psychologischen Techniken durchlaufen möchtest, könnte mein Mentoring-Programm genau das Richtige für dich sein. Gemeinsam bringen wir deine unbewussten Bedürfnisse ans Licht. Zusätzlich arbeiten wir daran, Blockaden zu überwinden, die dich daran hindern könnten, zu handeln. Wir entwickeln Pläne und Routinen, die individuell auf deinen Studienalltag abgestimmt sind.


Man sagt, dass es zwischen 3 und 9 Monate dauert, bis ein Verhalten wirklich automatisiert und stabil ist. Genau deshalb begleite ich dich in den ersten 3 Monaten intensiv durch mein 12-wöchiges Programm mit 1:1 Coachingsessions. Und für ein ganzes Jahr steht dir der Online-Bereich mit vertiefenden Übungen und Meditationen zur Verfügung, und ich bin als Ansprechpartnerin für dich da. Das Ziel ist, dass du stabile Grundlagen schaffst und schließlich selbstständig deinen Weg fortsetzen kannst, ohne weitere Unterstützung zu benötigen. Mehr Infos findest du hier.

Abschließend möchte ich dir sagen, ...

… dass jeder von uns seinen eigenen Weg geht, mit individuellen Herausforderungen und Erfolgen. Was zählt, ist unsere Entschlossenheit, weiterzumachen, auch wenn es schwierig wird. Dieser Artikel soll dir ein Tool an die Hand geben, um deine Ziele mit mehr Selbstvertrauen und Zuversicht zu verfolgen. Glaube an dich und deine Fähigkeiten. 

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Studienweg,

Kathi

Quellen

  1. Storch, M., Krause, F. & Weber, J. (2022). Selbstmanagement – ressourcenorientiert. Theoretische Grundlagen und Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell. 7. überarbeitete Auflage. Bern: Hogrefe.
  2. Gollwitzer, P.M. (1991). Abwägen und Planen. Bewusstseinslagen in verschiedenen Handlungsphasen. Göttingen: Hogrefe.
  3. Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme. Göttingen: Hogrefe. 
  4. Gollwitzer, P.M. (2012). Mindset theory of action phases. Verfügbar unter: https://kops.uni-konstanz.de/server/api/core/bitstreams/686bb250-6162-47c4-a7ac-bafc190b5dfc/content
Kathi Moldan Coach fuer Studenten und Schülerinnen und Schüler

Hey, ich bin Kathi!

Ich unterstütze Studierende & SchülerInnen dabei, nicht nur produktiver zu lernen, sondern dies vor allem mit mehr Gelassenheit und Zuversicht zu tun.

Erfahre, wie du durch ein gesundes Selbstvertrauen und einen gesunden Lebensstil ein glückliches (Studien-)Leben führen kannst!

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